Berlin:
SIGRID ROTHE
Rockaway Beach (Fotografien)
3. NOVEMBER – 22. DEZEMBER 2017
Eröffnung: Donnerstag, 2. November, 18 – 21 Uhr

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„Rockaway Beach“ – zerstörte Küste

Die Galerie Born zeigt erstmals Arbeiten der Fotografin Sigrid Rothe nach dem Hurrikan „Sandy“ 2012.Zerstörte Hausfassaden, geborstene Jalousien, weggerissene Promenaden – es sind verstörende Bilder, die Sigrid Rothe jetzt erstmals in der Galerie Born Berlin zeigt.

Es sind Fotos, die unmittelbar nach dem Hurrikan „Sandy“ 2012 in New York entstanden. Rothe lebte zu diesem Zeitpunkt in der Stadt und erlebte die ganze Wucht des Sturms. „Alles stand unter Wasser, in meiner Straße schwammen die Autos“, erinnert sie sich. Der Strom fiel aus, es herrschte Ausnahmezustand.

Als „Sandy“ abgezogen war, machte sie sich mit ihrer Kamera auf nach Rockaway Beach, einem bekannten Ausflugsziel und Stadtteil von New York. Am Strand, wo normalerweise die Surfer und Wellenreiter unterwegs sind, fand sie völlige Zer­stö­rung. Die Fußgängerpromenade war gänzlich weggespült worden, Strandhäuser demoliert.

Sie hielt die Zerstörung mit der Kamera fest. Die Bilderserie, die dabei entstand, ist allerdings keine Dokumentation der Sturmschäden. Rothe interessiert sich für Strukturen: für die Zeichnung der Risse, eingefallene Fassaden, grotesk freigespülte Gullis. Sie ästhetisiert nicht die Zerstörung, sondern verdichtet das vorgefundene Chaos, das auf einen kleinen Ausschnitt konzentriert, das Ausmaß der Zerstörung ahnen lässt. Die starke Vergrößerung der Details lässt wiederum Risse und Brüche wie Zeichnungen wirken. „Es herrscht eine bestimmte Melancholie und Verlorenheit“, sagt die Fotografin. Die Zerstörung habe eine neue Form der Ordnung und Ästhetik geschaffen.

Rothe fügt damit ihrem Prinzip des „photographic painting“ eine ganz neue Facette hinzu. In den vergangenen Jahren entwickelte sie diese Technik in zahlreichen Bildern von stark vergrößerten oder auch verfremdeten Blüten und Blättern. „Die Blumen waren meine Leinwand“, sagt sie. Während sie in den Blütenbildern mit sich auflösenden Formen und intensiven Farbfeldern arbeitete, kennzeichnet die neuen Arbeiten eine ungewohnte Schroffheit. Diese Bilder leben von star­ken, geradezu grafischen Konturen und Kontrasten. In der Serie „Rockaway Beach“ verzichtet sie auf jegliche Verfremdung.

Sigrid Rothe wurde in Hamburg geboren.

Nach ihrem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg widmete sie sich zunächst der Modefotografie und der Werbung. Parallel entstanden immer wieder Porträts u.a. von Annie Leibowitz, Martin Kippenberger, Paul Auster, Marina Abramovic.
Rothes Arbeiten wurden in zahlreichen Galerien auf der ganzen Welt gezeigt.
In den 2000er Jahren hatte sie mehrere Lehraufträge und gab diverse Workshops an Kunsthochschulen in Amerika und Deutschland.
Rothe lebte 30 Jahre in New York, unternahm aber auch ausgedehnte Reisen, z.B. nach China, Israel und Japan. In Nepal entstand ihre Fotoserie „Tihar“.

Seit 2016 lebt und arbeitet sie in Berlin.

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