Berlin:
LUCY TEASDALE
Balancing act
9. JANUAR – 21. FEBRUAR 2015

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Balancing Act

Ein Tennisspieler streckt seinen Arm hoch über seinen Kopf. Er balanciert in der Luft, beugt sich nach hinten, sein ganzer Körper richtet sich danach aus, den Ball kraftvoll zu schlagen. Ein anderer Spieler hat sein Gleichgewicht verloren und liegt, besiegt, am Boden.

Mit Szenen, wie die oben beschriebene, welche von einer Sportfotografie in eine körperhafte Skulptur oder Plastik übersetzt werden, erkundet die britische Künstlerin Lucy Teasdale (*1984) den Balanceakt zwischen Körper, Form und Komposition. Ausgangspunkt ihrer Arbeit sind dabei meist Fotografien, denen bereits etwas Bedeutsames innewohnt. Sie findet ihre Inspiration sowohl in historischen Abbildungen und barocken oder manieristischen Motiven, als auch durch Reportagefotografie aus Tageszeitungen und Magazinen. Dabei wählt die Künstlerin Silhouetten und Muster aus und „exzerpiert“ dynamische Bewegungen aus den Fotografien. Die durch Teasdale entstehenden Arbeiten entfalten eine starke, eigene Formsprache.

Während des Übersetzungsprozesses von der Fotografie in eine dreidimensionale Figur, erforscht Teasdale die Auswirkungen beim Umkehren der Verhältnisse: Was passiert, wenn man den Hintergrund nach vorne bringt? Oder wie wirkt es sich aus, wenn einzelne Muster stärker herausgearbeitet werden als andere?

Wie die Künstler des Manierismus ist auch Teasdale fasziniert von der Bewegung, der Energie und der Überspannung der Figuren. Bei den Werken von Teasdale gibt es keinen vorgegebenen Betrachtungspunkt. Sie lädt den Betrachter ein die vielen Betrachtungsmöglichkeiten ihrer Werke selbst zu erforschen. Ihre meist unbetitelten Arbeiten lassen dabei einen großen Spiel raum für Interpretationen und Deutungen zu, trotz der ursprünglich figurativen Motivauswahl.

Die Form der Plastik ist nicht in Gänze vorgegeben, sondern erwächst im Entstehungsprozess und dieser hält bei Teasdale fortwährend an, bis die Form in einer gegossenen Skulptur ihren Endzustand findet. Die Künstlerin benutzt eine Vielzahl von Materialien wie Bronze, Acrystal und Gips für ihre monochromen Skulpturen. Zusätzlich benutzt sie manchmal Spielsachen in ihren Arbeiten, welche verformt werden und ihre Werke mit Referenzen der Literatur oder Popkultur erweitern.

Die Skulpturen und Plastiken von Lucy Teasdale balancieren zwischen Figuration und Abstraktem. Trotz der starken Abstraktion überlässt die Künstlerin ihren Arbeiten erkennbare, figurative Momente, die dem Betrachter aus manchem Winkel den Hauch von etwas Vertrautem andeuten. Dieses flüchtige Erkennen ist von kurzer Dauer, so entzieht sich beim bewegten Betrachten eine eindeutige Bestimmung fortlaufend.

Lucy Teasdale wurde 1984 in Birmingham geboren. Sie schloss 2010 an der Kunstakademie Düsseldorf unter Tony Cragg ab. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Johanne Kristensen

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Balancing Act

A tennis player reaches his arm high above his head; balancing in the air, bent backwards, every part of his body is prepared to focus all its energy on one forceful stroke of the racquet. Another tennis player has lost his balance and lies, defeated, on the ground.

Translating two dimensional sport photography, like the scenes described, into three dimensional sculptures, British artist Lucy Teasdale (*1984) explores the balancing act of bodies, forms and compositions. As a point of departure she uses existing images that already possess their own significance. She finds her inspiration in historical photographs and baroque motifs as well as images from newspapers and magazines. Based on certain shapes, patterns or dynamic movements in these images, Teasdale’s sculptures emerge as abstract three dimensional forms with a language of their own.

By employing the composition of a flat image into her sculptures, Teasdale explores the consequences of bringing the background forward, or letting certain patterns be dominant. Similar to baroque sculptures, Teasdale is fascinated by the movement, energy and tension in certain images and situations. Her works have multiple optimal viewing angles, inviting the viewer to explore the work on their own. Often left untitled, Teasdale’s pieces leave considerable room for interpretation despite their origins in a concrete image.

The sculptures develop as they are being modelled. A continuous process only stopped by the final cast of the work. Teasdale uses a number of materials, such as bronze, acrystal and plaster to cast each monochromatic sculpture. In addition to this, the artist sometimes uses toys in her work which she then modifies; loading her works with references to literature or pop culture.

Balancing between figuration and abstraction, Teasdale’s sculptures do, despite the ab – straction, contain some recognizable elements, giving the viewer, from some viewpoints, a taste of something familiar. These glimpses are however so fleeting that the works are constantly opening up to diverse interpretations.

Lucy Teasdale was born in Birmingham in 1984. She graduated in 2010 from the Kunst Akademie Düsseldorf under Professor Tony Cragg. She lives and works in Berlin.

Johanne Kristensen

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