Berlin:
OSKAR MANIGK
Abstrakt
15. JANUAR – 27. FEBRUAR 2016

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Warum ich kein Maler werden wollte …

Der schlimme Krieg war aus und verloren. Alle Bilder, die mein Vater bis dahin gemalt hatte, waren verbrannt, samt Atelier. Und sie müssen gut gebrannt haben! Schutt und Asche all dessen, was eben noch Wert und Bedeutung hatte, bedeckten das wenige, was noch heil war.
Der Einzelne kann nichts ausrichten, die Kunst hält nichts aus, und das Gute ist wehrlos. Dafür war gesorgt worden mit militärischer Gründlichkeit. Und ich habe mit Kinderaugen hingesehen. Ein Gemälde befördert man ins Jenseits, schneller als man ein Kaninchen erschlägt. Da gibt’s nichts!
Es war die Zeit unglaublicher Verluste und die verlorenen Bilder waren das Geringste, was es zu beklagen gab. Sie sind nicht das, was man braucht, wenn keine Kartoffeln im Keller sind und die Stube ist kalt. Das ist ein Teil deiner Lektion, dachte ich mir. In der Jugend will man gern einer von vielen sein. Also kommt es sehr darauf an, was einer so macht und tut und aus welchem Haus er ist.
Du findest keinen Verbündeten, wenn du meinst, dich für das Bildermalen entscheiden zu müssen, also für etwas, was keiner braucht außer dir. Auch musste man sich ein „Künstlerleben” leisten können. Oder besser: Man musste ihm gewachsen sein, einem Beruf, der eben nicht wie jeder andere ist.
Wie mir aber letzten Endes doch nichts weiter blieb, als das Naheliegende zu tun, bemerkte ich, dass man auch ein Stück Freiheit dazubekommt, das größer ist, als das der meisten Anderen.
So begann ich mich einzurichten in der Welt, die wenig Wohlwollen zu vergeben hat. Es ist besser, auf Vieles gefasst zu ein. Seine schwachen Stellen geheimzuhalten. Und wenn ich meine Bilder zeige, d. h. allem und jedem aussetze, sollten sie mir nicht zu viel bedeuten. Sie existieren vorübergehend, so wie die vier Wände, an denen sie hängen. Und in günstigen Momenten werden sie den Blick freigeben auf eine besondere, private Illusion, die ich habe entstehen lassen.

Oskar Manigk

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