Berlin:
STRAWALDE
Malzeit 2016
22. APRIL – 4. JULI 2016

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Ich ertrage ihn gern

In jeder Freundschaft, in jeder Beziehung, die über Jahre besteht gibt es Höhen und Tiefen – eine Allerweltsweisheit.
Nicht anders ist es in meinen Kontakten zu den Künstlern der Galerie Born.
Bis auf den Sonderfall Strawalde. Da sitzt man manchmal bei ihm, ist genervt über häufig die gleichen Themen auf die er immer wieder kommt, man möchte dazwischen rufen, Schluss jetzt, das weiss ich inzwischen alles, habe es tausendmal gehört.
Aber ich schweige, sage erst mal nichts, denn immer kommen wir mal ein wenig schneller, mal langsamer, auf seine Kunst zu sprechen und da passiert viel. Da steht er vor mir mit seinen fast 85 Jahren, zeigt mir seine 9 Leinwände, 200 x 170 cm für die Ausstellung in der St. Matthäus Kirche auf dem Kulturforum in Berlin, die er erst gar nicht malen wollte. Als ich diese dann einfach bestellte und ihm in sein Atelier bringen lies war der Damm gebrochen. 10 Tage später, ich traute meinen Augen nicht, da war Strawalde voll in seinem Element, die ersten drei zeichneten sich bereits ab. Und nicht so, wie man es häufig in der zeitgenössischen Kunst findet, eine Serie. Bei Strawalde werden es mal wieder neun einzelne Bilder.
In seiner vielfältigen Malsprache steht jedes für sich, schlägt jedes einen Bogen zurück zu früheren Arbeiten, ohne diese zu wiederholen, halt alles Kinder einer Familie.
Die 9 Leinwände haben inzwischen ihren Platz in der Ausstellung eingenommen, die Arbeiten, kleinere natürlich, die parallel in Ausstellungen der Galerie Born in Berlin und in Born auf dem Darss gezeigt werden sind an langen Abenden herausgesucht worden.
Und dann, beim Abschied, nach langem Reden, die Zeit ist weit fortgeschritten, kann es sein das Strawalde noch anmerkt: „Du wirst es ja nicht mehr erleben, aber in 100 Jahren wird diese Malerei ihre ihr zustehende Wertschätzung erfahren“.
Erleben brauchen wir es beide nicht … denn wir wissen es ja.

Matthias Fuhrmann

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