HAN KLINKHAMER

 

Die Gemälde von Han Klinkhamer zeigen Landschaft in zweierlei Hinsicht. Zunächst eröffnet sich der Blick auf das Land, wobei das Gemälde als Fenster dient, das den Blick auf einen Horizont, einen Himmel und auf Konturen von Bäumen, Sträuchern oder Blumen freigibt.

Zugleich weist jedes Gemälde eine ganz eigenständige raue Struktur auf, der Künstler hat viel Arbeit auf die Textur verwendet – sie wirkt oft wie die Ver­grö­ßerung einer Oberfläche oder ein Ausschnitt aus der Natur. Diese beiden Per­spektiven – weit weg und nah – werden kombiniert, ohne dass die Fokus­sierung darunter litte. Oder, in anderen Worten: Klinkhamers Werke vereinen ein geisti­ges Bild mit einem materiellen, physischen Blick auf reale Landschaften.

Der Künstler lebt in einem Dorf direkt hinter einem Deich an der Maas. Er muss nur auf diesen Deich steigen, wenn er Wasser, Wiesen oder den bewegten Him­mel sehen will. Dennoch hat man nicht das Gefühl, als bildeten seine Gemälde diese äußere Welt ab. Zwar befassen sich seine Arbeiten mit der Natur, und seine tägliche Begegnung mit den Elementen dient ihm zweifellos als Rahmen. Doch die wahre Landschaft entsteht im Atelier – „wahr“ bedeutet hier die mit Farbe erschaffene, heraufbeschworene Landschaft. Mitunter hat man den Ein­druck, als seien der Farbe Pflanzenstängel oder Sandkörner beigemischt. Doch die Illusion entsteht durch die Dicke der Farbschicht und Kratzen mit einem scharfen Werkzeug, alles ist gemalt.

In Klinkhamers Werken geht es um die Transformation von Natur in Gemälde – und darum, dass diese Transformation authentisch und glaubwürdig wirkt. Was das Farbspektrum anbelangt, so beschränkt sich Klinkhamer. Fast hat man den Eindruck, er würde die Farben geradezu in den Motiven verbergen. Liegt dies womöglich an der begrenzten Farbvielfalt der holländischen Flusslandschaft, in der Klinkhamer zuhause ist? Wohl kaum. Die Farben werden im Studio be­stimmt, im Kopf des Malers, in dem Bild, das er schaffen will, durch die innere Wahrheit des jeweiligen Bildes. Stets gibt es eine Grundierung, oftmals in schwarz oder weiß, und dazu das Potenzial für Farbe, die aber nur zögerlich zum Vorschein kommt – als sei der Betrachter Zeuge des Moments der ersten Sonnenstrahlen, wenn die Dinge Farbe annehmen. Dann können wir in der Tat einen Hauch Grün im Schwarzen ausmachen, und einen Anflug von Rosa im Weißen.

Ob diese Bilder eine Liebe zur Natur ausstrahlen? Vielleicht, ja. Andererseits ist aber auch Mühe und Kampf, ein Ziehen und Zerren zu spüren. „Bei jedem Bild“, so der Künstler, „muss man ganz von vorne anfangen, als sei es das allererste Bild.“ Klinkhamers Gemälde thematisieren so nicht nur die Außenwelt, sondern auch die inneren Landschaften, Stimmungen und Überzeugungen – ohne Worte, und doch als wesentlicher Teil der Gemälde.

Jurriaan Benschop

——

1950 geboren in Oss, Niederlande
Studium an der Folkwangschule, Essen
Kunstakademie Warschau, Polen (Stipendium)

lebt und arbeitet in Demen, Niederlande

facebookartnet
@