Eröffnung GALERIE BORN, Berlin:
ANGELA DWYER
Boys keep Swinging
21. Oktober – 20. Dezember 2011

 

Angela Dwyer

 

1961 geboren in Palmerston North, Neuseeland
1978 Studium Art Conservation, Dunedin
1979 – 1981 Studium Otago School of Fine Arts, Dunedin, Neuseeland
1983 Studium and der Gippsland School of Visual Arts, Victoria, Australien

lebt und arbeitet in Berlin

 

Boys keep Swinging

 
Die Berliner Künstlerin Angela Dwyer ist bisher vor allem durch ihre kraftvoll farbigen, abstrakten, zum Teil großflächigen Ölbilder auf Leinwand und ihre Schriftzeichnungen auf Papier bekannt. In den letzten Jahren entwickelt sie ihre inhaltlichen und ästhetischen Auseinandersetzungen weiter durch eine ins Dreidimensionale erweiterte, skulpturelle Malerei auf Metall. Arbeiten mit Ölfarbe auf geformtem, deformierten, zerknüllten Kupfer, zum Teil als Objekte, zum Teil als reliefartige Installation, zum Teil als sich zum jeweiligen Raum verhaltender Skulpturen dominieren die aktuelle Ausstellung.
 
Ein Hauptwerk der Ausstellung ist die ca. acht Meter breite und vier Meter hohe Arbeit Schotter’s Nation, die bewusst eine ganze Wand der Galerie vollständig bedeckt. Schon der Titel zeigt das intellektuelle Spiel, das viele Arbeiten von Angela Dwyer ausmacht. Zum einen zitiert sie hier den Titel von Pete Dohertys Album Shotter’s Nation, zum anderen verwandelt sie den englischen Namen Shotter bewusst in das deutsche Wort Schotter (Geröll, Steine für den Straßenbau) für ihre persönliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Schichtung, einer Nation des Schotters. Eine Vielzahl Fetzen geknüllter Kupferfolie, ineinander verwoben, geschichtet und mit einem breiten Spektrum unterschiedlicher Schwarztöne bemalt, ergeben ein reliefartiges, geradezu monströs überwältigendes Bild. Kaum ein Schwarz entspricht dem anderen. „Ich wollte deutlich machen, dass Schwarz auch eine Farbe ist, mit Nuancen und Tönen, auf die jeder Betrachter anders reagiert“, so Angela Dwyer.
 
Eine zweite Arbeit, die die Ausstellung dominiert und ihr zugleich den Titel gibt, ist Boys Keep Swinging. Sie besteht aus farbigen, vertikal angeordneten und voluminös aufgeschichteten Bahnen bemalter Kupferfolie, wie ein Bild an die Wand angebracht, zugleich als Skulptur auf dem Boden stehend. Zu dieser Arbeit befragt, verweist Angela Dwyer darauf, dass nicht immer eine Idee Ausgangspunkt eines Bildes sein muss. Erst die lange Arbeit mit dem Material rührte in ihr eine Erinnerung auf, „eine hundert Jahre alte Tradition gesehen zu haben, die ich liebte und die leider nicht mehr gestattet wird: Als ich ein Kind war, wohnten wir eine zeitlang direkt am Hafen. Manchmal konnte ich nachts aus meinem Fenster beobachten, wie Seeleute mit Lampen und Seilen an Land kamen und den gewaltigen hohen Felsen heraufkletterten, um Namen und Flagge ihres Schiffes groß weit oben auf den Felsen zu malen, so dass man es in der gesamten Hafenbucht sehen konnte.“ Und sie fügt in diesem Zusammenhang dazu: „Ich weigere mich, Inhalt und Form zu trennen.“
 
Angela Dwyer wurde 1961 in Palmerston North, Neuseeland geboren. Seit 1984 lebt sie als Malerin in Berlin. Ihr Werk wurde in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, viele ihrer Arbeiten befinden sich in wichtigen Sammlungen. Im letzten Jahr war sie Gastprofessorin für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in München.
 
Johannes Grebert, September 2011

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