Berlin:
ANGELA DWYER
Solid Shapes
5. November 2020 – 9. Januar 2021

 

Angela Dwyer

 

1961 geboren in Palmerston North, Neuseeland
1978 Studium Art Conservation, Dunedin
1979 – 1981 Studium Otago School of Fine Arts, Dunedin, Neuseeland
1983 Studium and der Gippsland School of Visual Arts, Victoria, Australien

lebt und arbeitet in Berlin

 

 

 

 

Solid Shapes

 

Die fünf verschiedenen Platonischen Körper (Solid Shapes) müssen jeweils drei Gesetze erfüllen:

1. Der Körper muss in eine Kugel passen. Das bedeutet, dass alle Ecken oder Kanten die Innenseite
einer Kugel berühren.

2. Alle Flächen oder Polygone des Körpers müssen gleich sein (z. Bsp. Dreiecke oder Quadrate
oder Pentagone oder Hexagone etc.).

3. Alle Kantenlängen des Körpers müssen gleich sein.

In meinen neuen Arbeiten untersuche ich Formen, von denen wir denken, dass wir sie bereits kennen und die
wir als selbstverständlich ansehen. Ich begann mit verschiedenwinkeligen Dreiecken, dann diamantenen Formen, bis zu Hexagrammen und gekippten Würfeln, manifesten dreidimensionalen Formen.

Während ich in meiner vorherigen Arbeit nach einem abstrakten Weg gesucht habe, die Konflikte von Mensch
und Natur, Siedlung und Wüste sichtbar zu machen, – wie Erdbeben oder Überflutungen, in denen auch der Wiederaufbau einer Stadt auf seinen Ruinen oder das permanente Ausgraben eines Hafens inkludiert ist, sucht die neue Serie, die ich „Solid Shapes“ nenne, eine eher manifeste Darstellung davon, wo wir sind, – an diesem speziellen Ort, in diesem speziellen Moment.

In der Serie „Irregular Squares“ verzerrte ich die Form des Quadrats. Der Betrachter akzeptiert das in sich visuelle
Paradoxon, dass meine Quadrate sich nicht den strengen Gesetzen geometrischer Präzision unterwarfen.
Die visuelle und physikalische Verzerrung lädt den Betrachter zu emotionaler Reaktion ein und öffnet den Raum für Erinnerung und Assoziationen.

In „Solid Shapes“ untersuche ich eine eher manifeste Darstellung davon, wo wir sind. – Diese Zeit allgemeiner Verunsicherung und die Auswirkungen durch die Änderungen der menschlichen Interaktion hat ein starkes Bedürfnis geweckt, an unseren Grundwerten festzuhalten, während zugleich eine Umwälzung der Prioritäten stattfindet.
Ich beziehe mich unter anderem auf eine Zeile aus dem Gedicht ’The Second Coming’ von W.B. Yeats: „the centre will not hold“ oder auf die Gedanken von Levi-Strauss/Lacan über den Mythos des Individuellen als eine Basis
subjektiver Struktur.

„Solid Shapes“ zeigen durch die bildliche Komposition sowohl die Isolation innerhalb sozialer Gruppierungen auf,
als auch die wachsende Zurückhaltung, uns auf menschliche Beziehungen einzulassen.
Während wir uns schnell an neue Regeln, Gewohnheiten und Verfahren anpassen, wenn sie von uns verlangt
werden und nötig sind, ändern wir nicht nur unsere persönlichen Interaktionen mit der Außenwelt, sondern auch die Art und Weise wie wir uns selbst betrachten.

Da die meisten Polyeder im Grunde Verbindungen dreieckiger Flächen sind, nach innen und außen ausgeprägt
und an Kanten und Ecken verbunden, begann ich bei meinen neuen Arbeiten die festen Formen ohne Zuhilfenahme geometrischer Werkzeuge zu zeichnen, um mich durch die sich wiederholenden Erkundungen an die den Formen inhärenten Abstraktion anzunähern. Das Zeichnen der Formen ist frei, lässt Verzerrungen zu. Durch die Wiederholungen der Form des Dreiecks sind die Linien sowohl fragil, als auch von großer Intensität.

Die gewählte Farbpalette der neuen Arbeiten von Zitronen-, Limette-, Violett-, Lila- und Blautönen kreieren eine Art Künstlichkeit, flacht den Raum ab und repräsentiert nicht unbedingt die Farbregeln des natürlichen Lichts und
natürlicher Form, sondern hat vielmehr mit den inneren Zusammenhängen der Malerei an sich zu tun. Sie zwingt einen negativen Raum und einen positiven Raum innerhalb eines bildlichen Raumes als Ganzes verbunden nebeneinander zu koexistieren. Die vielen Schichten präziser Abstufungen von Farbe bestimmen, wie wir die jeweilige Form wahrnehmen und definieren auch den Raum, innerhalb dessen sie gezeichnet ist.

Es fühlt sich an, als würden die Dinge auseinanderbrechen, und wir versuchen uns ganz fest an diese sich immer schneller verändernde Welt zu klammern, versuchen einen Sinn zu finden, darin, wer wir sind und was kommen wird.

Angela Dwyer, Oktober 2020

 

 

ANGELA DWYER

Solid Shapes, 2020
10,– € ► bestellen
29,7 x 21 cm, 16 Seiten
© 2020 Galerie Born
PDF-Download: Angela Dwyer - Solid Shapes
 

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