Berlin:
JÖRG BACH
BieneFeld
Wege
9. September – 29. Oktober 2016

 

Jörg Bach

 
Das Grundmodul, das allen Arbeiten zugrunde liegt und – bei aller Vielgestaltigkeit – ihre strukturelle Verwandtschaft erkennen lässt, ist das dreikantig oder vierkantig zusammengeschweißte Stahlrohr. Eine lineare Form also, mit der der Bildhauer ähnlich umgeht wie der Zeichner mit seinem Strich, nur dass sich seine gekurvten, verschlungenen, verzahnten Linien im dreidimensionalen, realen Raum bewegen. Da diese Linienelemente durch ihre Drei- oder Vierseitigkeit zudem in sich räumlich sind, kann der Künstler im Formprozess durch Drehen und Winden komplexe Perspektiven erzeugen, die in der Folge den Betrachter in Spannung und Bewegung versetzen. Denn abhängig von dessen Standort treten die Flächenelemente in neuer, vorher so noch nicht gesehener Weise hervor oder zurück, und es entstehen für ihn im Fluss der Veränderung von Positionen und Lichteinfällen andere, neue Akzente der Licht- und Schattenwirkung. Wird dann noch das Spiel mit der Umgebung bewusst wahrgenommen, ihr Eingenommen-Sein in Durchblicken und Ausblicken und besonders effektvoll im Widerschein der hochglanzpolierten spiegelnden Objekte, wird deutlich, in welch hohem Grade Jörg Bachs Plastiken kommunikativ angelegt sind, einen Dialog mit dem Betrachter herstellen, ihn zum Erproben verschiedener Blickwinkel bewegen, kurz: ihn in ihren Bann ziehen.

 

BieneFeld

 
In BieneFelds früheren Arbeiten spielt auch Figürliches eine gewichtige Rolle. Bei dem jetzt ausgestellten Zyklus ist dies bestenfalls Nebensache: der Betrachter meint allenfalls kleine Staffagefigürchen zu erahnen, die jedoch auch Bestandteile der Landschaft sein können, Pfosten, kleine Bäume oder unbestimmbare vertikale Marken im Gefüge der Komposition. Damit verweigert die Künstlerin uns jedoch auch einen Maßstab, mit dessen Hilfe man sich der Größenverhältnisse alles auf der Bildfläche Dargestellten vergewissern könnte: Es entstehen mikromegale Strukturen: das Gesamte des Bildes wie dessen Details können gleichermaßen monumental groß wie nahgesehen Kleines erscheinen, die Komposition kann ebenso wahrgenommen werden als weite Überschau aus großer Entfernung, wie als knapp umgrenzter Mikrokosmos, betrachtet aus enger Distanz. BieneFeld liebt es übrigens, mit der Kamera just solche augentäuschenden Aufnahmen zu machen, Photos von ausgetrockneten Pfützen etwa, die wie ausgedehnte Wüstengebiete wirken, beobachtet aus großer Höhen. Die Malerin macht dem Betrachter das Angebot – und stellt ihm sogleich die Aufgabe -, die Bilder unbefangen zu sehen. Es gibt nicht eine einzige und endgültige Betrachtung, es existiert keine definitive Wahrheit; die Wahrnehmung darf gleichsam vor dem Bild hin- und herspringen – wer die Werke ansieht, muss bereit sein, Irritationen nicht hinzunehmen, sondern sich selbst schöpferisch auf sie einzulassen. Die Bilder bieten Atmosphäre und vieles mehr; die Details sind jedoch alles andere als verlässliche Hinweise auf Wirklichkeit, geben äußerstenfalls Anlass zu Assoziationen mit erlebter oder selbst imaginierte Landschaft.

 


 

BieneFeld
JÖRG BACH

Wege, 2016
10,– € ► bestellen
21 x 29,7 cm, 12 Seiten
© 2016 Galerie Born
PDF-Download: Jörg Bach, BieneFeld – Wege

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