St.-Matthäus-Kirche,
GALERIE BORN, Berlin:

BieneFeld
Schwemmland
20. April – 12. August 2012

 

BieneFeld

 

1960 geboren in Greifswald
1980 – 1982 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
1988 – 1995 Studium an der Hochschule der Künste Berlin

lebt und arbeitet in Berlin

 

Ortloser Aufenthalt

 

(…) Keine zwei Augenpaare sehen ein Bild in gleicher Weise – diese alte Erfahrung bestätigt sich bei Biene Felds Arbeiten in eklatanter Weise.
Leonardos Aufforderung an die Künstler seiner Zeit kommt uns in den Sinn: Er riet ihnen, Strukturen etwa auf altem Wandputz als Darstellungen zu lesen, als Wolken etwa oder Wasserstrudel, um so die eigene Imaginationskraft zu schulen. Biene Felds Arbeiten sind in der Tat Herausforderungen an unsere Vorstellungskraft – und das von ihr selbst beobachtete nicht Abgeschlossene ihrer Arbeiten bekommt doppelten Sinn. Die eigentliche Vollendung der Bilder erfolgt vielleicht erst bei intensiver Betrachtung durch uns. (…)
Der Betrachter meint allenfalls kleine Staffagefigürchen zu erahnen, die jedoch auch Bestandteile der Landschaft sein können, Pfosten, kleine Bäume oder unbestimmbare vertikale Marken im Gefüge der Komposition. Damit verweigert die Künstlerin uns jedoch auch einen Maßstab, mit dessen Hilfe man sich der Größenverhältnisse alles auf der Bildfläche Dargestellten vergewissern könnte: Es entstehen mikromegale Strukturen: das Gesamte des Bildes wie dessen Details können gleichermaßen monumental groß wie nahgesehen Kleines erscheinen, die Komposition kann ebenso wahrgenommen werden als weite Überschau aus großer Entfernung wie als knapp umgrenzter Mikrokosmos, betrachtet aus enger Distanz. (…)
 
Es gibt nicht eine einzige und endgültige Betrachtung, es existiert keine definitive Wahrheit; die Wahrnehmung darf gleichsam vor dem Bilde hin- und herspringen – wer die Werke ansieht, muss bereit sein, Irritationen nicht nur hinzunehmen, sondern sich selbst schöpferisch auf sie einzulassen.
 
Auszug aus dem Katalogtext von Bernd Wolfgang Lindemann, 2012

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