Berlin:
DANIEL SCHLIER
Lächeln
10. Januar – 23. Februar 2013

 

Martin Kasper über Daniel Schlier

 
Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Daniel Schlier in Serien, die sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder gar Jahren hinweg entwickeln. Sie tragen einfache beschreibende Titel wie „Mutter mit Kind“, „Melodramatische Köpfe“, „Denkende Hunde“, Denkende Berge“, „Moderne Landschaften“ und ähnliche.
 
Mit dem Pragmatismus und der Detailgenauigkeit eines Forschers, der im Laborversuch bestimmte chemische Reaktionen mit kühlem Blick analysiert, bringt Schlier Dinge unterschiedlichster Herkunft zusammen, um scheinbar Unvereinbares im Bild zur Reaktion zu bringen. Er nutzt kunstgeschichtliche Bezüge, Illustrierte und geografische Fachzeitschriften für seine Recherchen. Die Arbeit beruht sowohl in der Auswahl der Mittel, die von der Ölmalerei über die Acrylmalerei bis zur Hinterglasmalerei, von dem collagenhaften Einsatz von Krawatten oder Taschentüchern bis zum altmeisterlichen Aufbringen von Blattgold reichen, als auch, hinsichtlich seiner inhaltlichen Anspielungen, auf einer großen Bandbreite starker Kontraste und Diskrepanzen. Die Malerei gewinnt bei Schlier geradezu die alchemistischen Qualitäten einer Giftküche.
 
Der erste Effekt der Malereien Schliers ist, die Realität noch verwirrender erscheinen zu lassen als sie schon ist und ihre befremdliche und beunruhigende Seite offenzulegen. Auf der Suche nach Sinn und Seele schafft er eine Welt aus expressiven Köpfen und Assemblagen, die aber wie Fantome das Gepräge des Unheils in sich tragen. Als Maske taucht das Antlitz des Menschen auf, entseelt und ausgehölt. Die Maske als Metapher ist eine Form der Annäherung an den Menschen, eine Art Ersatz für das wirkliche Portrait, eine groteske Kreuzung aus Ensorscher Karnevalsmaskerade und afrikanischer Holzschnitzerei – auch hier reichen die Bezüge von Schliers Malerei in weit voneinander entfernte Bereiche.
 
Es enstehen so Bilder höchst spannungsvoller und überraschender Paradoxien. Aus dem Lautréamontschen zufälligen Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch wird bei Daniel Schlier die Begegnung der Rüstung mit einem Automotor auf einem Tableau.
 
Martin Kasper, Dezember 2012

 

Katalog DANIEL SCHLIER - Lächeln

DANIEL SCHLIER

Lächeln, 2013
15,– € ► bestellen
23 x 16,5 cm, 44 Seiten
© 2013 Galerie Born

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