Berlin:
STRAWALDE + MARK LAMMERT
Meisterspiel
27. Februar – 11. April 2015

 

Strawalde

 

1931 geboren in Frankenberg, Sachsen
1949 – 1953 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, Dresden
1955 – 1960 Studium an der Filmhochschule Babelsberg, Fach Regie

lebt und arbeitet in Berlin

 

Mark Lammert

 

1960 geboren in Berlin
1979 – 1986 Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
1989 – 1992 Meisterschüler an der Akademie der Künste, Berlin
seit 2011 Professor für Malerei und Zeichnung an der Universität der Künste, Berlin

lebt und arbeitet in Berlin

 

Meisterspiel
 
Zwei Maler, die zwei Generationen entstammen. Strawalde und Mark Lammert sind Künstler, die im Atelier an nichts anderem arbeiten als an der Malerei, es geht um „Farbe und Form in Fläche und Raum“, nicht um gedankliche Konzepte und nicht um die Auseinandersetzung mit dem digitalen Bildersumpf, in dem wir vor dem Versinken stehen. Vielleicht geht es nicht einmal zuerst um „das Bild“. Denn Malerei ist immer auch Objekt und Gegenstand der Anamnese seiner materiellen, visuellen und auch biographischen Voraussetzungen. Ein Vorgang, der einer gewissen Hermetik bedarf. Dieses Unbedingte, bisweilen Autistische ihres malerischen Tuns hat zur Voraussetzung, dass sie die direkte Begegnung mit der sogenannten Wirklichkeit auf anderen Feldern suchen und finden: Lammert auf der Theaterbühne, wo er mit Farbe durch den Raum ein Bild der Handlung erzeugt, Strawalde als der Regisseur Jürgen Böttcher, der in filmischer Handlung ein Bild des Raumes schafft, des realen wie des mentalen und des gesellschaftlichen. Beide sind sie eminent politische und intellektuell teilnehmende wie reflektierende Menschen, die gerade deshalb als Künstler ihr Werk freihalten von Bekenntnissen wie von Metaphern. Die Arbeit selbst ist Metapher und Bekenntnis genug.
Und doch kann man beide vom Werk her gesehen nicht wirklich vergleichen. Strawalde arbeitet gleichsam eruptiv an seinen Gemälden und Papierarbeiten, Mark Lammert hingegen prozesshaft, Strawalde sucht die Überraschung, die Synästhesien zu Musik und Natur, das immer wieder Einmalige der Erfindung und er kehrt sein Innerstes nach außen, vor allem dann, wenn er Malerei als Performance betreibt. Auch Mark Lammert hat ein enges Verhältnis zum Film. Und er vergewissert sich der Kunst- und Bildgeschichte, der physischen wie psychischen Materialität der Farbe und beobachtet malend wie zeichnend das Phänomen des Verschwindens von Figur und Körper. Doch ein pictor doctus ist er nicht. Seine Bilder sind im mehrfachen Sinne serielle Untersuchungen, künstlerische Feststellungen von Wahrnehmungszusammenhängen im Dialog mit wissenschaftlichen Methoden. In einem unserer Gespräche beschreibt er es so: „Wenn man sich entscheidet, in einer Serie zu arbeiten, muss die Konzentration für eine sehr lange Zeit ausreichen. Diese Konzentration ist der Inhalt, der Versuch, in der Malerei ein Konzentrationsvolumen herzustellen, wie es vielleicht in der Zeichnung noch möglich ist. Die Bilder entstehen in einem kausalen Nebeneinander. Und wenn du ein Jahr gearbeitet hast, siehst du nur, dass du noch drei Jahre brauchst, und wenn du drei Jahre gearbeitet hast, siehst du, du brauchst noch sieben Jahre. (…) Das Ziel ist das jeweils einzelne Bild. Aber je mehr man macht, umso deutlicher sieht man, dass die Dinge entweichen. Es geht darum, das Sinnliche oder besser das Haptische mit der Intention im Gleichgewicht zu halten. Das ist doch einer der wenigen Gründe, aus denen man überhaupt malen muss.“
 
Hingegen Strawalde hat sein Credo, als wir vor einem seiner Bilder standen, so beschrieben: „Das Bild ist für mich wie ein Kaleidoskop von tausenden Farben, die man in der Natur schon als Kind gesehen hat, von Grüns, von Blumen, Maiblumen, Glockenblumen auf einer Wiese – wie im Rausch empfindet man die Welt in ihrem Reichtum. Nicht im Sinne einer Hierarchie, sondern alles im Nebeneinander. Und wenn einem dann so ein Bild gelingt, dann merkt man, dass man das alles drin hat. Das geht bis an die Wurzeln zurück. Wenn man dann assoziativ die Verbindung zur Kindheit herstellt, dann kommt ein ahnungsvoller Genuss, ein Gesamtklang heraus. Und man muss auch bedenken, dass so ein Alter von 80 Jahren ein unendlicher Aufstieg und zugleich Abstieg ist – beides. Die Tatsache, dass man lebt, die ist ja nicht zu leugnen, aber die Wahrheit ist, dass man eigentlich nicht so ganz in der Lage ist, sich damit ins Benehmen zu setzen. Man hält es eigentlich nur aus, wenn man nicht sehr daran denkt, weil es im Grunde viel zu geheimnisvoll ist. Es ist ein so strenger Auftrag, den man da, ohne gefragt worden zu sein, übernommen hat, dass man sich nur wundert, wenn die meisten Menschen auf der Straße herumlaufen, als sei das völlig in Ordnung…“
 
Vielleicht wird schon in diesen kurzen Auszügen deutlich, wie es um den jeweiligen Berührungszusammenhang von Intention und Resultat bei diesen Künstlern bestellt ist – und um ihren „strengen Auftrag“.
 
Matthias Flügge, Februar 2015

 


 

STRAWALDE
MARK LAMMERT

Meisterspiel, 2015
15,– € ► bestellen
16,5 x 24 cm, 56 Seiten
© 2015 Galerie Born
PDF-Download: Strawalde + Mark Lammert – Meisterspiel – Web

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