Berlin:
MICHAEL MARKWICK
Sunshine for a Long Midnight
11. Juni – 5. September 2020
Di – Sa, 11 – 18 Uhr

 

Michael Markwick

 

1974 geboren in Grand Rapids, Michigan, USA
1998 Bachelors of Fine Arts, Calvin College, Grand Rapids, Michigan
2002 Masters of Fine Arts, Indiana University, Bloomington, Indiana

lebt und arbeitet in Berlin

 

 

 

 

Sunshine for a Long Midnight

 
Die Gemälde dieser Ausstellung sind zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 entstanden. Als ich mit der Arbeit an diesen Bildern begann, dachte ich an die Beziehung zwischen Mensch und Natur, und an die Zerbrechlichkeit unseres Zeitalters. Und jetzt, da die Corona-Pandemie unseren Geist besetzt, findet also diese Ausstellung statt. In den Werken, die zu sehen sind, schwingt – wenn auch nur zufällig – das Moment der Krise mit. Das ist insofern passend, als die Pandemie zeigt, wie eng wir mit der Natur verbunden sind, sowohl mit ihrer Schönheit als auch mit ihren Bedrohungen. Das übergeordnete Thema dieser Werkauswahl betrifft die offenen Fragen bezüglich unserer spirituellen Beziehung zur Natur und zueinander.
 
Während ich in meinen früheren Werken bevorzugt mit Leinen arbeitete, sind diese neueren Bilder auf Seide gemalt. Die Idee, mit Seide zu experimentieren, kam mir vor Jahren, als ich von einem Besuch in Hongkong und Taiwan zurückkehrte – einer Weltregion, in der die Seidenmalerei seit über 2.000 Jahren betrieben wird. Interessanterweise befindet sich dieses Material genau an der Schnittfläche von Natur und Kultur: Ursprünglich wurde der Stoff aus den Kokons der Maulbeerseidenraupen gewonnen und steht beispielhaft für die unausgewogene Partnerschaft von Mensch und Natur – wenngleich mit einem wunderschönen Ergebnis. Und so war es vor allem ihre verführerische Lichtdurchlässigkeit und Flüchtigkeit, die mich zum Experimentieren mit Seide bewogen. Das Malen mit Acryl auf Seide ist ungeheuer anspruchsvoll, da sich auf einer solch empfindlichen Oberfläche kaum etwas verbergen lässt. Die Farbschichten dieser Arbeiten setzen sich aus zartesten Lasuren zusammen.
 
In den hier gezeigten Bildern erkunde ich das Licht eines sommerlichen Sonnenuntergangs – ein Licht, das tief in den Abend reicht und auch dann noch leuchtet, wenn die Sonne längst hinter dem Horizont verschwunden ist. Schon seit langem fasziniert mich das Licht in den Grafiken des japanischen Ukiyo-e-Künstlers Utagawa Hiroshige und in den Gemälden von französischen und italienischen Malern wie Nicolas de Staël, Giotto oder Piero della Francesca. Man könnte meinen, dass Licht in diesen Werken ein aktives Element darstellt, dass es das eigentliche Thema ist.
 
Ich habe mich nie wirklich als abstrakten Maler verstanden. Alle meine Werke haben mit sehr konkreten Formen und Vorstellungen zu tun, die wiederum auf Geschichten, realen oder imaginären Situationen, Umgebungen und Symbolen beruhten. In den Seidenbildern arbeite ich an der Vereinfachung meiner Bildsprache. In dieser Werkgruppe finden sich Geschichten von Figuren, die sich verändern und verwandeln.
 
„Ghost Flower“ beispielsweise ist ein Symbol der Zerbrechlichkeit. Die fast kindliche Erscheinung stellt das Skelett einer Blume dar. Dieses Motiv wiederholt sich in „Girl Planting“: Ein Mädchen in seinem Garten versucht Blumen zu pflanzen, die schon vergehen, bevor sie richtig beginnen. Hoffnung und das Bemühen um neues Wachstum sind allgegenwärtig – diese Gärtnerin hört nicht auf, neue Samen zu säen. Das großformatige Werk „Tree Hugger“ zeigt eine abstrakte skelettartige Figur, die mit der Baumspitze einer stark leuchtenden Kiefer verschmilzt. Der Ausdruck „Tree Hugger“ wird oft in einem negativen Sinne verwendet. Ich wollte dem Begriff seinen ursprünglichen Wortsinn wiedergeben: jemand, der einen Baum retten möchte, eine positive Handlung also. In „The Patient“ beugt sich eine Figur mit einem maskenartigen Gesicht über eine andere. Das wirkt bedrohlich, aber zugleich wollte ich auch ein Gefühl von Zärtlichkeit vermitteln. Unter dem Kinn der Figuren sieht man einen Arm mit einer Hand an beiden Enden. Die beiden Figuren sind eng miteinander verbunden.
 
Der Akt des Malens bedeutet für mich, an der Gegenwart teilzuhaben. Und in unserem gegenwärtigen Zustand aus „Furcht und Zittern“ handeln wir unsere fragilen Beziehungen neu aus – nicht nur mit der Natur, sondern auch untereinander.
 
Michael Markwick, Mai 2020

Übersetzung: Ingrun Wenge

 

Berlin: MICHAEL MARKWICK Sunshine for a Long Midnight 11. Juni – 29. August 2020  

MICHAEL MARKWICK

Sunshine for a Long Midnight, 2020
10,– € ► bestellen
21 x 29,7 cm, 16 Seiten
© 2020 Galerie Born
PDF-Download: Michael Markwick –  Sunshine for a Long Midnight

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