Born a. Darss:
UWE KOWSKI
Beton
1. September – 3. November 2018

 

Uwe Kowski

 

1963 geboren in Leipzig
1984 – 1989 Studium der Malerei und Grafik, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

lebt und arbeitet in Berlin

 

Die Farbe von Beton

 

Eine Kreuzung in einer pulsierenden Stadt. Menschen warten, bis der Strom von Autos für einen kurzen Moment stoppt und eine Lücke zum Überqueren der Straße aufmacht. Zwei Menschen treffen sich am Straßenrand, ein Paar wirft langgezogene Schatten auf die Wand hinter ihm, angestrahlt vom Licht der Autoscheinwerfer.
 
Vielleicht waren es diese Beobachtungen, die Uwe Kowski in seinem täglichen Alltag, auf dem Weg zur Arbeit im Atelier durch die Straßen Berlins gemacht hat, die ihn zu seiner neuen Werkserie und den Titeln der Gemälde inspiriert haben.
 
Nach den Gärten, die Kowski in seiner letzten Ausstellung in der Galerie Born gezeigt hat, bleibt sein Blick nun in der Stadt, bei dem, was ihm täglich begegnet und ihn umgibt – Stra ßen, Kreuzungen, Beton. Doch das Bild von Grau, von kaltem Stein, Rastern und kantigen Formen, das diese Wörter vor dem inneren Auge hervorrufen, entspricht so gar nicht dem, was Kowski mittels Malerei daraus macht. Im Gegenteil, über das Grau legt sich immer wieder ein kräftiges Blau in allen Schattierungen, gemischt mit Rot, Rosa und Türkis.
 
Die Bildideen, die Kowski der Arbeit voranstellt, blitzen kurz auf, wenn er sich ans Werk macht, Erinnerungen an etwas Gesehenes, eine Straßenszene, Menschengruppen, Stadt ansichten erscheinen für kurze Zeit im Kopf und materialisieren sich in Form von Farbschichten, Pinselstrichen und -tupfen, angedeuteten Konturen und Kontrasten. Besonders scheinen es ihm die Schatten angetan zu haben, Schatten von Menschen, die langgezogen und zu abstrakten Silhouetten verzerrt auf den Boden geworfen sind, farbige Schatten, die wie in die Leinwand eingeritzt scheinen, Kalte Schatten, wie der Name eines Bildes verrät. Besonders deutlich wird das im Bild Beton / Schatten, in dem Variationen von Grau die Farbgebung bestimmen. Betrachtet man das Bild aus der Entfernung, spiegelt sich am unteren Bildrand die Silhouette eines Oberkörpers, verdichtet sich das grau zu einer dunklen getupften Farbmasse, aus der sich der Schatten herauslöst. Das Bild fällt auf den ersten Blick etwas heraus aus der bunten Palette, als hätte sich ein grauer Regenschleier zwischen die bunten Sommertage gedrängt. Doch bei näherem Hinschauen sind sie auch hier zu sehen die blauen, gelben und rosa Tupfen, die das Grau auflösen zu scheinen und das Licht hereinlassen. So wie auch der Eindruck einer grauen, tristen Stadtlandschaft bei genauerer Betrachtung Farbflecken preisgibt, man muss sie nur sehen wollen.
 
„Ein Schatten ist weder schwarz noch weiß. Er hat immer eine Farbe. Die Natur kennt nur Far – ben“, konstatierte Auguste Renoir 1910. Und so verhält es sich auch in Uwe Kowskis Bildern. Grau ist nie nur Grau, sondern Gelb, Rosa und Blau. Das Schwarz, das hier und da den Weg in eins der Bilder gefunden hat, löst sich immer wieder auf ins Grau oder Ocker, wirkt nie hart, sondern höchstens tief. Uwe Kowskis braucht weder die Farben der Natur, von Gärten, Pflanzen oder Landschaften, er findet genug davon im urbanen Raum, der Prozess der Bild – findung ist der Gleiche. Reale Materialien werden umgesetzt zu Bildern, die Malerei als Erleb – nis steht immer im Vordergrund, nicht das Abbilden eines Motivs. Seine Stadtland schaften sind weniger Darstellungen von Räumen oder Perspektiven, sondern Versuche, Farbe auf der Leinwand zu ordnen, helle neben dunkle Flächen zu setzen und durch die Kombination verschiedener Farbtöne Empfindungen hervorzurufen. Kowski weiß genau um die Licht spiele – reien der Malerei der Moderne, er setzt pointillistische Farbtupfen in durchdachter Kontrast- Komposition nebeneinander, um seine Bilder leuchten zu lassen.
 
Zum Erlebnis der Malerei gehört auch das Festhalten von Bewegung. Uwe Kowskis Bilder zeichnen sich aus durch eine innere Dynamik, die sie in ein Flirren und Flimmern versetzt, wie Reflexe, die auf einer Wasseroberfläche blitzen oder Lichtflecken, die durch das Laub eines Baumes auf die Erde fallen. Insofern ist die Natur vielleicht doch ein Stück weit präsent, aber eher als Erinnerung denn als Abbild.
 
Manchmal scheint es, als würden die Farben einer äußeren Kraft, einem Auslöser, dem Moment einer Bewegung folgen und diese auf das Bild bannen. Während sich die Silhouetten in Gruppenbild alle an einem imaginären Punkt im unteren Drittel des Bildes sammeln, wie durch die Schwerkraft angezogen, fliegen die blauen Farbstrahlen in Kalte Schatten von einem Punkt oben außerhalb des Bildes auf die Leinwand, als würden sie von einer Lichtquelle buchstäblich auf das Bild geworfen.
 
Das Erlebnis der Malerei, das der Künstler sich selbst zur Aufgabe macht, könnte als Erlebnis des Sehens auf die Betrachter übertragen werden. Uwe Kowski möchte mit seinen Bildern nichts erzählen, keine Geschichten festhalten oder dokumentieren, keine Personen porträtieren oder Räume komponieren. Er legt in jedes Bild vorab eine Idee, die er über etwas Gese he – nes erfindet, und überlässt es dann den Betrachtern, sich einen Weg durch die Bilder zu bahnen, sich in ihren Strudel zu begeben und an anderer Stelle wiederaufzutauchen. Vielleicht stoßen sie in diesem Prozess auf die Idee, die jedem Bild zugrunde liegt, vielleicht entsteht eine neue. Dabei können die Titel als Impulse dienen, die eigene Erinnerungen aufflackern lassen und mit denen des Künstlers überlagern.
 
Leonie Pfennig

 


 

UWE KOWSKI

Beton, 2018
20,– € ► bestellen
21 x 29,7 cm, 32 Seiten
© 2018 Galerie Born
PDF-Download: Uwe Kowski – Beton

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